Krise als Chance?

 

Ihr Lieben!

Wenn du das Bedürfnis hast, auch in dieser Zeit Unterstützung zu erhalten, um innezuhalten, dich zu spüren, ins Feld zu horchen, dich zu bewegen und auszutauschen in einer (online) Gemeinschaft: Unsere Sunday Moving Meditation findet am Sonntag unter Leitung meiner Kollegin Anja Gysin online statt und du bist in deinem Zimmer daheim herzlich willkommen. Es braucht eine Wlan Verbindung und einen Computer. Hier kannst du dich anmelden und erhältst alle nötigen Informationen: 
https://www.meinlebenstanz.ch/sunday-moving-meditation-online-22-märz/

Eben erreichte mich ein Artikel über diese Zeit, der vieles ausdrückt, was ich auch wahrnehme und fühle und glaube - ich empfinde ihn als sinnstiftend und mutmachend. Meine Kollegin Claudia Pichl hat ihn geschickt (danke!), Jonathan Hadas Edwards & Julia Hartsel haben ihn geschrieben, ich habe ihn für euch übersetzt und gekürzt.

Mögen uns diese neuen Herausforderungen zusammenrücken lassen!
Herzlichst, Verena



Was, wenn das Virus die Medizin ist?

Unsere Absicht ist es nicht, die Schwere der Krankheit herunterzuspielen oder die Bedeutung des Lebens, das durch diese Krankheit verloren geht, zu minimieren. Hinter den Zahlen verbergen sich sehr reale Schmerzen und Trauer, und diese Zahlen, die oft so beiläufig diskutiert werden, sind persönlich und stehen für den möglichen Verlust unserer Eltern, Ältesten, Lehrer, Großmütter oder Freunde mit geschwächtem Immunsystem. Es besteht nicht nur die Gefahr, in dieser Zeit Geliebte zu verlieren, sondern auch, dass wir dies aus der Ferne tun müssen. Unsere Herzen brechen für diejenigen, die vielleicht sterben oder allein leiden, ohne die Berührung ihrer Lieben. Wir ehren den Tod als einen heiligen Durchgang, aber wir bagatellisieren Tod, Leiden oder Krankheit nicht im Geringsten. Wir beten, dass jeder, der durch dieses Virus (wie durch viele andere tödliche Krankheiten, Unfälle, Überdosierungen, Morde, Selbstmorde, Massenerschießungen und so weiter) auf die andere Seite geht, dort Segen, Verbindung und Frieden begegnen wird.

Auch die wirtschaftlichen Auswirkungen sind nicht auf die leichte Schulter zu nehmen. Viele in diesem Land haben bereits massive Auswirkungen gesehen, und die Rezession hat erst begonnen. Wie immer werden diejenigen, die dem Rand am nächsten stehen, am stärksten betroffen sein. Manche haben ein paar Monate Zeit, bevor eine finanzielle Panik einsetzt. Und andere, die von AUftrag zu Auftrag, von Gehaltsscheck zu Gehaltsscheck oder von Gig zu Gig leben, sind unmittelbar betroffen. Die wirtschaftlichen "Nebenwirkungen" dieses Coronavirus könnten katastrophal sein.

Und doch.

Für viele in unserer Welt war die Zeit vor Corona schon katastrophal. Wir befinden uns inmitten einer Krise von beispiellosem Ausmaß. Niemand hat gesagt, dass der Wandel leicht sein würde. (Auch das Sterben ist nicht einfach.) Und ein schrittweiser Wandel reicht nicht aus. Es wird radikaler Veränderungen bedürfen, um unseren derzeitigen, katastrophalen Kurs weg von massiven Umweltzerstörungen, Hungersnöten, Energiekrisen, Kriegen und Flüchtlingskrisen, zunehmend autoritären Regimen und eskalierenden Ungleichheiten zu verschieben.
Die Welt, wie wir sie kennen, stirbt. Was unhaltbar ist, kann per Definition nicht fortbestehen, und wir sehen, wie sich dies langsam auswirkt.

Welche Hoffnung gibt es also? Es besteht die Hoffnung, dass das, was stirbt, die Raupe der unreifen Menschheit ist, damit der Phönix aus der Asche auftaucht. Dass das, was diesen kollektiven Initiationsprozess überlebt, wahrhaftiger, herzverbundener, nachhaltiger und fruchtbarer sein wird.

Inititationen sind Prozesse oder Rituale an der Schwelle zu neuen Lebensphasen. Initiationen können auch heilsame Krisen sein.
Sie sind nicht unbedingt lustig oder machen Spass und sind auch nicht vorhersehbar. Deshalb gehört Nichtwissen dazu und die ganze damit verbundene Unsicherheit.
Stell dir eine ganze Gesellschaft in der Mitte einer Initiation vor… Es geschieht bereits. Es sieht nach Chaos, nach einer Kernschmelze aus. Wir befinden uns in einem Moment der kollektiven Krise auf globaler Ebene und der Ungewissheit, der seit Menschengedenken kaum einen Präzedenzfall hat. Die Wirtschaftsmaschinerie - die Quelle unserer finanziellen Bedürfnisse und auch ein System, das von Krankheit, Scheidung, Kriminalität und Tragödien profitiert - ist mit einem dramatischen Rückgang konfrontiert. Wir alle stehen vor der Einstellung nicht notwendiger Aktivitäten. Es gibt hier eine Chance, wenn wir sie wahrnehmen.

Wir können uns darin üben, die Umstände zu begrüßen, die uns von dysfunktionalen alten Mustern, seien sie nun wirtschaftlicher oder persönlicher Natur, abbringen. Diese Möglichkeit haben wir jetzt.

Es ist eine heilige Zeit.

Im Gegensatz zu einem traditionellen Übergangsritual gibt es jedoch keinen Priester oder Ältesten, der aus der Erfahrung geborene Weisheit besitzt, der den Raum für das Ritual hält und alles Gesehene und Ungesehene verfolgt. Und doch, hör genau hin, es gibt Stimmen, in dir und um dich, die sagen: Lasst uns etwas anderes versuchen.

Dies ist eine Gelegenheit, unseren Griff nach alten und vertrauten Wegen zu lockern. Diese Wege haben so lange funktioniert, wie sie funktioniert haben, und sie haben uns hierher gebracht, in guten wie in schlechten Zeiten. Es scheint unwahrscheinlich, dass sie uns noch viel weiter bringen werden. Was wäre, wenn wir stattdessen aufgefordert würden, unseren Weg nach vorn zu ertasten, aus dem Herzen heraus, ohne den Vorteil der Gewissheit - was, wenn wir uns konzentrieren, schnell giftig wird? Niemand hat in dieser oder einer anderen Zeit alle Antworten. Im Moment sind die Fragen vielleicht wertvoller.

Was, wenn wir diese Zeit mit heiligem Respekt ehren?

Was, wenn wir uns die Zeit nehmen, um auf unsere Grenzen und die Grenzen unserer Erdmutter zu hören?

Was ist wirklich wichtig?

Wie können wir die bittere Medizin des Augenblicks tief in unsere Zellen aufnehmen und sie uns mit der latenten Möglichkeit in Einklang bringen lassen?

Wie können wir mit der Unterstützung des Unsichtbaren als Hebammen für alles, was hier stirbt und geboren wird, dienen?

Angesichts dieser Fragen lasst uns langsam und still werden und zuhören. Denn das Echo aus dem Unsichtbaren, das Flüstern aus den Tiefen unserer Seelen und aus dem Herzen des Geheimnisses, verbindet uns alle.

Link zum Originaltext: https://www.heartwardsanctuary.org/post/what-if-the-virus-is-the-medicine?